Warum ich mich für die Anonymen Sexaholiker entschieden habe
Mein Weg zu den Anonymen Sexaholikern begann vor acht Jahren in einer 12-Schritte Gemeinschaft für Esssüchtige. Ich dachte, ich hätte nur ein Problem: Ich könnte nicht abnehmen. Ich dachte, wenn ich nur abnehmen könnte, wäre alles in Ordnung. Davon war ich überzeugt, bis ich an meinem ersten Treffen teilnahm. Dort hörte ich das Wort „Sucht“ - aber das bedeutete mir nichts. Dann erfuhr ich, dass sich meine Krankheit dreifach zeigte: körperlich, emotional und geistig. Aber ich hatte eigentlich keine Ahnung, was das bedeutete. Ich fand eine Sponsorin und begann abzunehmen. Zu dieser Zeit war ich in einer „festen Beziehung“. Mein Freund und ich lebten seit vier Jahren zusammen.
Nach zwei Monaten im Programm für Esssüchtige und zehn Kilogramm weniger (aber immer noch stark übergewichtig) sprach ich mit meiner Sponsorin über meine Verabredungen mit einem verheirateten Arbeitskollegen. Sie erzählte mir von den Anonymen Sexaholikern und von Lüsternheit. Ich lachte. Ich hörte zwar auf, Pornografie zu konsumieren, hatte aber weiterhin sexuelle Beziehungen zu meinem Lebensgefährten und hörte auch mit Selbstbefriedigung und Verführung nicht auf. Aber weil meine Sponsorin im Programm für Esssüchtige auch bei den Anonymen Sexaholikern (AS) war, sagte sie mir, dass ich verheiratet sein müsse, um Sex zu haben. Sie sagte, es sei eine spirituelle Sache, keine moralische - aber ich konnte es nicht verstehen. Ich dachte, dass meine feste Beziehung dasselbe sei wie verheiratet zu sein. Ich habe mehrere Jahre gebraucht, um zu verstehen, dass sexuelle Beziehungen außerhalb der Ehe für mich als Sexaholikerin nicht funktionieren.
Schon mit zwölf begann mein sexsüchtiges Verhalten
Bereits als Kind begann ich Lüsternheit zu konsumieren. In unserem Haus gab es Zeitschriften mit nackten Frauen und als ich zwölf war, fing ich an, die Pornografie zu konsumieren, die mein Vater und mein Bruder in unserem Haus hatten. Ich fing an, sexuelle Beziehungen zu Burschen zu haben, die so alt wie mein Bruder waren.
Schon als Kind bin ich zweimal sexuell missbraucht worden, einmal als ich acht Jahre alt war und noch einmal als ich elf war. Ich litt auch unter körperlicher Gewalt durch meinen Vater.
Ich wollte mich an Männern rächen, und die Lüsternheit gab mir diese Macht. Ich fing an, Männer zu verführen, zu erobern und zu verachten. Ich stellte fest, dass ich Macht über Männer hatte. Aber die Lösung wurde zu einem neuen Problem. Wie es in ANONYME SEXAHOLIKER (dem „Weißen Buch“) heißt, wurde ich "süchtig nach dieser Chemie". Als ich 22 war, lebte ich ständig mit Promiskuität und Selbstbefriedigung. Ich dachte, das könnte meine chronische Depression lindern. Ich zog in ein anderes Land, aber das Problem wurde schlimmer. Ich wurde verrückt danach, Männer zu verführen.
Irgendwann entschied einer dieser Männer, dass er mein Freund sein wollte. Ich wollte nie eine Verpflichtung, nur sexuelle Intimität. Aber er war sehr hartnäckig, er war gutaussehend und sehr intelligent und er schien mich zu verehren. Trotzdem war ich weiterhin promiskuitiv, bis ich zurück nach Hause zog. Dieser Mann wusste über meine sexuellen Affären Bescheid, aber er wollte mich trotzdem. Doch im Geheimen fing er an, mich zu hassen.
Während dieser Zeit benutzte ich Essen als Schutz gegen Promiskuität. Irgendwann wurde ich extrem übergewichtig und hatte keine Lust mehr, Männer zu verführen. Acht Jahre lang machte ich mich mit Essen, Pornografie, Selbstbefriedigung und emotionaler Abhängigkeit total zu. Dann kam ich ins Programm für Esssüchtige und war erfolgreich im Kampf gegen meine Esssucht. Ich begann mich schuldig zu fühlen, weil ich meinen Partner sehr schlecht behandelte.
Ich versuchte nach der Trockenheitsdefinition der Anonymen Sexaholiker zu leben
Meine Beziehung zu meinem Freund beruhte auf Gewalt, verbalem und körperlichem Missbrauch, Depressionen, Hass, emotionaler Abhängigkeit und Sex. Ich wollte, dass unsere Beziehung funktioniert, also versuchte ich etwas Neues: nach der Definition der Nüchternheit von AS zu leben, die beinhaltet, keinen Sex außerhalb der Ehe zu haben. Aber wir waren nicht verheiratet und mein Partner war nicht damit einverstanden. Ich wollte wissen, ob es in einer Beziehung noch etwas anderes als Kämpfe, Depressionen und Hass geben könnte.
Eines Tages verletzte mich mein Partner körperlich und ich versprach mir, dieses Verhalten nicht länger hinzunehmen. Ich bat ihn, unser Haus zu verlassen. Drei Monate später waren wir wieder zusammen und hatten Hochzeitspläne. Und ich war nach AS-Definition nicht trocken.
Nach einem Monat gab es eine weitere emotionale Katastrophe. Ich wurde das kleine Kind und er wurde der missbräuchliche Vater, den ich früher hatte. Ich wollte mich umbringen. Ich wollte sterben. Dann versuchte er eines Tages, mich mit seinem Auto zu überfahren. Da wusste ich sicher, dass die Party vorbei war. Ich wusste, dass er nicht das Problem war - ich war es. Lüsternheit und emotionale Abhängigkeit zerstörten unsere Beziehung. Wir hatten keine Lösung.
Durch die Anonymen Sexaholiker habe ich Wunder erlebt
Das erste Wunder war, dass ich die Beziehung beenden konnte, obwohl ich ihn noch immer liebte und ihm Glück wünschte - sogar mit einer anderen Frau. Das hätte ich davor nicht tun können. Das war im Juli 2015 und ich hatte seither keinerlei Kontakt mehr mit ihm. Ich kam zurück zu AS und lernte zum ersten Mal, den dritten Schritt wirklich zu tun. Ich hatte das Gefühl, von einer Klippe zu fallen. Ich brauchte viel Hilfe, weil ich mich in meinem ganzen Leben noch nie so schlecht gefühlt hatte - tägliche Meetings, Anrufe, Sponsorin für andere sein und die Arbeit in den Schritten. Mir wurde auch klar, dass ich die Gelegenheit verpasst hatte, Mutter zu werden und das war ziemlich schmerzhaft. Ich musste mich meinem schlimmsten Feind stellen: Angst. Angst, am Leben zu sein und keinen Menschen zu haben, der sich um mich kümmert. Aber in den letzten Monaten habe ich einige äußere und innere Wunder in meinem Leben erfahren: in meiner spirituellen Gemeinschaft leben, einen neuen Job finden und - was am wichtigsten ist - mich selbst lieben.
Durch AS habe ich wieder Hoffnung bekommen. Ich leide nicht mehr täglich unter Selbstmordgedanken. Ich habe angefangen, andere zu lieben, bin dankbar und habe inneren Frieden. Ich habe festgestellt, dass ich sehr sensibel bin und einige Grenzen setzen muss, um emotional nicht überfordert zu werden. Ich habe immer noch emotionale Probleme, Ängste und das Gefühl nichts wert zu sein, aber mit Hilfe meiner Freunde in AS kann ich damit umgehen.
AS hat mir eine zweite Chance im Leben gegeben
Bei meinem Vater wurde in den letzten Wochen Krebs diagnostiziert und das Wichtigste ist, dass ich meinen Eltern in meinem Herzen vergeben konnte (nicht nur in meinem Kopf, wie ich es immer getan hatte). Ich bitte meine Höhere Macht, mir die Kraft zu geben, ihnen zu sagen, dass ich für all die Dinge dankbar bin, die sie mir gegeben haben. Vor allem bin ich der Gemeinschaft der Anonymen Sexaholiker dankbar, dass sie mir eine zweite Chance im Leben gegeben hat.